# gay life – Seite 3 – maha’s blog

Ich kenn keinen

Passend zu meinen Landerlebnissen habe ich gerade den Film Ich kenn keinen – Allein unter Heteros (imdb, website) gesehen. Es ist ein Dokumentarfilm über Schwule in der schwäbischen Provinz und recht gut gemacht, auch wenn manche der Interviews Längen haben. Er ist sicher besser als Cycles of Porn, ein anderer Film des gleichen Filmemachers Jochen Hicks, den (Regisseur und Film) ich mal auf der Berlinale gesehen habe. Der Film über Schwaben wirkt einfach authentischer als die Dokumentation über Los Angeles.

Gute Dokumentarfilme zu machen, ist schon verdammt schwer. Ich mag das Genre aber sehr und werde demnächst mal meine Bestenliste hier veröffentlichen. Sicher wird The Power of Nightmares unter den Spitzenreitern sein.

Schwules Landleben und Bahnfahren

Eines der Themen von Brokeback Mountain ist ja das Landleben in den USA. Damit habe ich ja wenig Erfahrung – auch in Deutschland! Jetzt konnte ich auch auf diesem Gebiet mal Erfahrungen sammeln, wenn auch nur kurz: Gestern habe ich einen Freund von mir besucht, der vor einiger Zeit zu seinem Freund aufs Land gezogen ist, und durchaus daran Gefallen gefunden hat. Allerdings muss man dazu sagen, dass er selbst auch ein „Landei“ ist und nur zum Studium unter die Städter gegangen ist. Es war für mich sehr eindrucksvoll zu sehen, wie sehr er im Landleben aufgegangen ist. Die Liebe macht’s möglich und sicher hilft das Internet dabei auch, denn so kann man selbst in der Pampa noch etwas von der Welt mitbekommen – dank SkyDSL! Für mich wäre das Landleben allerdings nichts! Aber die Menschen sind halt verschieden.

Der Grund für meine Reise nach Westdeutschland war ein Gastvortrag in Westfalen, der auch recht erfolgreich war – jedenfalls gab es positives Feedback, was mir auch mal wieder gut getan hat! Ich hätte diesen Gastvortrag vielleicht nicht gehalten, wenn ich nicht über eine BahnCard 100 verfügte; damit kann man schnell mal durch die Republik fahren, ohne sich über die Kosten Gedanken zu machen, denn die sind schon bezahlt. Das ist schon eine nette Angelegenheit, vor allem, wenn wir anlässlich der Männerfußball-WM demnächst für kurze Zeit einen brauchbaren Fahrplan haben werden. Übrigens kann man jetzt auch die Zugverspätungen im Internet abrufen. (Diesen tollen Tipp habe ich von effpunkt, dessen Flickr-Fotos ich übrigens sehr empfehle).

Brokeback Mountain

Ja, ich weiß, ich locke damit niemanden mehr hinter dem Ofen hervor, und ich bin wahrscheinlich der Letzte, der diesen Film gesehen hat, aber heute abend war ich im Kino und habe endlich Brokeback Mountain gesehen. Und ich war beeindruckt. Der Film ist besser als die gleichnamige Kurzgeschichte von E. Annie Proulx. Ich hatte die Kurzgeschichte schon vorher als Hörbuch gehört und fand, dass sie trotz aller Wirkung Schwächen hat: Ich hatte das Gefühl, dass sie irgendwie unzeitgemäß war, eben so eine Geschichte aus den 1980ern, als schwule Liebe einfach unerfüllt bleiben musste, aber die mächtige Bildersprache und die sehr gelungene filmische Adaptation haben mich nun doch überzeugt: Es ist ein großartiger Film! Beeindruckend ist, wie deutlich die Erbärmlichkeit der Rancher wurde. Trotz aller Tragik ist der Film durchaus optimistisch, denn es wird schnell klar, dass hier Menschen nicht deshalb Probleme haben, weil sie schwul oder sonstwas sind, sondern weil sie sich selbst im Wege stehen und sich Dinge einreden, die nicht eigentlich so sind, wie sie meinen. So richtig verarbeitet habe ich das noch gar nicht, und ich hoffe, in dieser Nacht einigermaßen Schlaf zu finden…
Die Filmmusik ist übrigens auch sehr schön. Ich hatte mir die CD zum Film (Lyrics) ja schon vor einiger Zeit gekauft, was ein Fehler war, denn wenn man einen Soundtrack schon gut kennt, kommt er einem im Film zu bekannt vor. Ich empfehle also, erst den Film zu sehen und dann den Soundtrack zu erwerben. Verdientermaßen hat der Film bei der Oscarverleihung 2006 je einen Oscar für die Regie, die Drehbuch-Adaptation und die Musik bekommen!

Es ist schon erstaunlich, dass ich in weniger als einer Woche mit Capote und diesem Film zwei herausragenden Hollywood-Filme gesehen habe, nachdem in den letzten zwei Jahren ja eher mittelmäßiges Hollywood-Kino dominierte. Das lässt hoffen, und ich traue mich jetzt auch öfter ins Kino zu gehen.

Eurovision Song Contest 2006

Ich finde ja die alte Bezeichnung des Eurovision Song Contest viel stilvoller: Grand Prix Eurovision de la chanson. Daher heißen die dazugehörigen Partys wohl auch immer noch Grand-Prix-Partys. Auch ich war heute wieder auf einer solchen, denn der Grand Prix ist ja in schwulen Kreisen so ungefähr das, was die Männerfußball-Weltmeisterschaft für Heteros ist. Kurz vor der Party hatte ich noch das Halbfinale gesehen und war mir da schon ziemlich sicher, dass beim Eurovision Song Contest 2006 die Finnen eine gute Chance hätten, sofern nicht noch was anderes Sensationelles hinzukommen würde. Da das nicht geschah, tippte ich auf die Finnen und dass Deutschland auf den 14. Platz kommen würde, denn sie waren auf diesem Platz auf meiner Favoritenliste. Ziemlich genauso ging es ja auch aus. Auch ich fand den finnischen Beitrag originell, obwohl ich persönlich die lettische a cappella-Gruppe Cosmos am interessantesten fand, aber es war natürlich klar, dass sie wenig Chancen hätten, denn ihre Musik war einfach zu revolutionär für den Schlagergeschmack (etwa die lettische Version der Wise Guys). Auch der russische Beitrag hat mir gefallen, sofern man von der Frau im Klavier absieht.

Dieser Grand Prix war von der musikalischen Vielfalt wahrscheinlich einer der außergewöhnlichsten, auch wenn mich das Gewinnerlied jetzt nicht wirklich so sehr anspricht. Auf jeden Fall war es ein lohnendes Ereignis – natürlich auch wegen der netten Leute auf der Party. Ich habe mich dann noch sehr angeregt mit Christoph und Jan unterhalten, was auch sehr interessant war. Christoph ist ein talentierter Nachwuchsfilmer, dem bestimmt noch eine große Karriere bevorsteht, wenn er sein Talent auszubauen versteht und sich mit weniger depressiven Themen auseinandersetzt. Und von Jan wird man bestimmt auch noch hören oder lesen…

Sex sells

Von Sapir habe ich den Hinweis bekommen, dass das französische Mode-Label shaï seine neue Mode-Kollektion mit Pr0n für jeden Geschmack anbietet. Es gibt interaktive Filmchen, die man sich anschauen oder in verschiedenen Formaten herunterladen kann, z.B. für den iPod – dann aber weniger interaktiv. Man hat die Wahl zwischen schwul, hetero und lesbisch und kann dann in der interaktiven Version auf die einzelnen Kleidungsstücke klicken, die nach und nach abgeworfen werden. Aber Vorsicht! Es ist definitiv nicht jugendfrei, weshalb ich es auch hier nicht direkt einbinde! Dafür ist es professionell produziert. Das Making-Of, für das man eine E-Mail-Adresse preisgeben muss, lohnt übrigens nicht; es wird dort vor allem gebügelt und auf französisch palavert.

Die Idee ist originell, und wird sich bestimmt für das Unternehmen auszahlen: Ich denke, das Angebot wird den Bekanntheitsgrad dieser Kollektion und des Labels erheblich steigern und somit auch die Verkaufszahlen! Eine solche Werbung wäre in Deutschland wahrscheinlich undenkbar – „dank“ Jugendschutz und PorNO-Kampagne. Dabei trägt eine vorsichtige Enttabuisierung sicher dazu bei, eine aufgeklärtere und somit freiere Gesellschaft zu schaffen.

Rice Linguistics Colloquium

Today I am at the Linguistics Department of Rice University in Houston. It’s a very agreable place, esp. when the weather is nice, as it is now (people say it’s 75 degrees which doesn’t mean much to a centigrader like me). At noon I went to the university restaurant with some colleagues and had some Mexican food which tasted quite exotic to me.

This afternoon I will give a talk at the Rice Linguistics Colloquium about Complex verb constructions in Romance languages and Basque. I’m getting excited already…

I just read the blog of the last week’s invited speaker who had some very special experiences in Houston, albeit under different circumstances and in another century. Compared to that, my visit will certainly be quite uneventful. Actually what happened in 1992 in Houston seems to happen now in Berlin during Lech Kaczynski’s lecture at Humboldt University; so my remark about different circumstances and another century seem to be a bit out of place here.

Abbestellte und schwule Podcasts

Ich habe jetzt mal eine Reihe von internationalen Podcasts abonniert (unter anderem auch die, die das Ministry of Foreign Affairs der Podcastschau aka l.x. empfiehlt). Leider musste ich feststellen, dass bei den US-amerikanischen Podcasts mono der vorherrschende Modus ist und das ertrag ich irgendwie nicht. Die Stimme klingt dann entweder so als käme sie aus meinem eigenen Kopf oder wie ein rumänisches Kofferradio (ich habe da seinerzeit Erfahrungen sammeln dürfen). Zwei der aus technischen Gründen wieder abbestellten Podcasts möchte ich wenigstens nicht unerwähnt lassen, weil es Klassiker sind:

Auch abbestellt habe ich Die kleine physikalische Hausapotheke, die zwar inhaltlich sehr interessant ist, aber das Gerausche, möglicherweise der Nachhall vom Urknall, ist schier unerträglich. 🙁
Schwer erträglich war im Übrigen eine schwule Comedy, deren Name ich schon wieder vergessen habe, und das ist auch gut so. Dafür kann ich aber zwei schwule Podcasts empfehlen:

Jetzt bin ich wahrscheinlich in Tims Hostspot-Café nicht mehr auffindbar.
Demnächst dann – wie schon versprochen – mehr zu Vlogs…

Maurice

Heute bin ich mal wieder eine weitere Strecke Zug gefahren. Normalerweise arbeite ich ja immer im Zug, aber nach dem Stress der Woche und des heutigen Tages gönnte ich mir mal einen Film. Ein Freund hatte mir eine DVD geliehen, die ich eh mal wieder zurückgeben sollte… Es handelte sich um den Film Maurice. Ich hatte den gleichnamigen Roman von Edward Morgan Forster schon vor einigen Jahren gelesen und fand das viktorianische Englisch zwar interessant, aber auch manchmal etwas gewöhnungsbedürftig. Da fielen die Filmdialoge schon leichter, auch wenn es trotz britischem Englisch keine Untertitel gab. Auch ohne die philosophischen Diskussionen des Buches war der Film wirklich ausgezeichnet. Als ich mir die Extras anschaute, bemerkte ich plötzlich, dass ich schon fast am Ziel war. Die Zeit verging also quasi wie im Zug. 🙂
Jetzt weiß ich übrigens auch, dass sich der Name des Protagonisten Morris ausspricht. Man lernt nie aus. 😉

Kurort Wedding

Unter dem Namen Kurort Wedding soll gerade der Berliner Stadtteil Wedding beworben werden. Das hat der Wedding eigentlich gar nicht nötig, denn inzwischen ist er schon sehr angesagt. Gestern hatte ich Gelegenheit, mich dort ein wenig umzusehen, denn ich bin für jemanden eingesprungen, zwei Stunden die Galerie Laine-Art zu beaufsichtigen, die ja durch die Kleinkunst-Truppe Brauseboys und den Gay Photo Award bekannt geworden ist. Ich fuhr also mit dem Fahrrad quer durch den Wedding, um beim Café Cralle den Schlüssel für die Galerie abzuholen. Das Café ist ein etwas alternativ angehauchtes Kiez-Café, so wie man es eher aus Berlin-Kreuzberg kennt: Die Barfrau kennt ihre Gäste, die direkt aus Herr Lehmann zu kommen scheinen. Dann fuhr ich durch die Hochstädter und die sehr lebendige Maxstraße zur Galerie und spielte zwei Stunden lang einen ehrenamtlichen Museumswärter. Es kam zwar kein Besucher, aber ich konnte in Ruhe die Bilder anschauen, Die Zeit und den aktuellen Têtu lesen, den ich mir aus Frankreich mitgebracht hatte, und schließlich mit meiner Ablösung noch einen Kaffee trinken, um dabei über Kunst, das Leben und Ofenbau zu plaudern.
Dann fuhr ich durch die mit Gaslicht beleuchteten Weddinger Straßen, die trotz der einbrechenden Herbstkälte noch mediterran wirkten nach Mitte und verbrachte noch einen netten Abend im CCCB bei Tortellini und Feigen.

Bed & Breakfast

In dieser Woche nehme ich in Saarbrücken an einer Tagung teil. Aufgrund der Empfehlung eines Freundes habe ich mir ein Bed and Breakfast-Zimmer gesucht (über Enjoy Bed & Breakfast). Irgendwie ist das ja ein komisches Gefühl, in die Privatsphäre fremder Menschen einzudringen; es ist zwar interessant, aber ich fühle mich schon etwas indiskret dabei. Insgesamt ist die Erfahrung aber positiv: Ich habe nicht nur ein schönes Zimmer und leckeren Espresso als Frühstücksersatz (was sich gut trifft, da ich sowieso kein Frühstücksfanatiker bin), sondern konnte sogar ein Fahrrad ausleihen. Das ist deshalb sehr praktisch, weil die Universität des Saarlands weit außerhalb der Stadt liegt.
Die Tagung selbst ist gut organisiert – einzig die Plenarvorträge lassen zu wünschen übrig. Die Eröffnungsveranstaltung zog sich über drei Stunden hin, was dazu führte, dass ich außer Sex so ziemlich alle körperlichen Bedürfnisse einstellten (Hunger, Durst, Müdigkeit, Harndrang usw.), aber nicht zu stillen waren. Schließlich wurde ich aber gerade noch rechtzeitig durch ein leckeres Abendessen versöhnt.