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There Will Be Blood

Gerade habe ich den Film There Will Be Blood gesehen, der vom Ölrausch in Kalifornien und von religiösem Fanatismus handelt. Der Film basiert auf dem Roman Oil! von Upton Sinclair, ist aber nicht so stark gesellschaftskritisch angelegt, sondern konzentriert sich mehr auf die Personen und ihre Beziehung zueinander. Das Ende wirkt etwas gezwungen. Ein anderer Nachteil ist die sehr gewöhnungsbedürftige Filmmusik. Sie ist ja gar nicht so schlecht, aber anstrengend.

Zu empfehlen ist der Film jedoch wegen der schauspielerischen Leistung. Dass Daniel Day-Lewis den Oscar dafür gewonnen hat, ist wirklich nicht überraschend. Die englische Wikipedia nennt die von ihm verkörperte Rolle einen Greedmeister: Das Wort ist in noch keinem Wörterbuch zu finden, aber von der Wortbildung her sehr interessant, da ein deutsches Wortbildungselement verwendet wird (ähnlich wie englisch uber).

last.fm

Gestern habe ich nach viel zu langem Zögern endlich last.fm ausprobiert. Ich war immer davon ausgegangen, dass das für mich mit meinem konfusen Musikgeschmack nicht taugt, denn ich mag ja besonders klassische Musik (Johann-Sebastian Bach, Franz Schubert, Gustav Mahler, Peter Tschaikowski, Richard Wagner und auch „Neoklassik“ wie Charles Ives, Edward MacDowell, Benjamin Britten), ein paar Unterbereiche des Jazz (Bossa Nova, Swing), a cappella-Gesang (von Johannes Brahms bis zu den Wise Guys), entspannte elektronische Musik, Chansons und vieles mehr. Und siehe da: meine ersten Versuche bei last.fm haben Erstaunliches zu Tage gebracht. Ich habe ein paar tolle Neu- und Wiederentdeckungen gemacht. Besonders interessant war die folgende Erfahrung: Ich schätze Hans Zimmer ja schon lange als Komponist genialer Filmmusik, aber habe seine Kompositionen praktisch nie losgelöst von Filmen wahrgenommen. Da mir last.fm ständig seine Kompositionen nahelegte, habe ich dann mal reingehört und war gleich begeistert. Hans Zimmer komponiert für seine Filme richtig gute (neu-) klassische Musik in Verbindung mit elektronischer und verwendet sehr geschickt Wagners Leitmotiv-Technik, die ja überhaupt sehr gut in die Filmmusik passt.

Da hätte die Musikindustrie gestern ganz schön an mir verdienen können, aber sie hat es mal wieder verbaselt: Den neuen Soundtrack von The Dark Knight gibt es zwar schon (The Dark Knight (soundtrack), Rezension, Interview mit den Komponisten Hans Zimmer und James Newton Howard), er wird aber in Deutschland erst vom 22. August an verkauft, dem Start des Kinofilms. Warum das so ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Es ist jedenfalls gar nicht verkaufsfördernd. Die Regelung, dass man erst auf den deutschen Filmstart warten muss, hat doch in der globalisierten Welt überhaupt keinen Sinn (und auch sonst nicht) – genauso wenig wie der Regionalcode für DVDs. Man hat geradezu den Eindruck, die Musikindustrie möchte ihren Markt zerstören.

Und noch eine Wiederentdeckung habe ich gemacht, die ich sogar schon auf meinem Rechner hatte: God Wrote in LISP (Text) – wer’s noch nicht kennt, aber schon mal was von Programmiersprachen gehört hat: Dieser Song und diese Programmiersprache sind ein Muss!

Update: Da mich mehrere Leute gefragt haben, hier mein last.fm-Nick: mahabln (nur für den Fall, dass mich jemand dort kontaktieren will).

Interview

Gestern habe ich den Film Interview (2007) gesehen, das US-Neuverfilmung eines Films von Theo van Gogh (deutscher Titel: Interview – Nächtliche Geständnisse), den ich leider nie gesehen habe (muss ich nachholen!). Der Film spielt größtenteils in einem Raum und könnte auch als Theaterstück überzeugen. Ich würde dann gern die Rolle des Journalisten übernehmen. Der Film ist sehr dialoglastig, aber Theodor Holmans Dialoge sind sehr witzig, und es entsteht eine dezente Spannung. Es ist unglaublich, wie ohne Aufwand hier Spannung, ja geradezu Action entsteht, obwohl praktisch nichts passiert. Das Katz-und-Maus-Spiel der beiden Protagonisten ist großartig und sehr sehenswert.

Dave Van Ronk & Gus Van Sant

Der neuste Film von Gus Van Sant Paranoid Park kam beim sonntäglichen Videoabend allgemein nicht so gut an, was vielleicht an der etwas eindimensionalen Geschichte lag. Filmisch fand ich ihn schon sehr interessant – vielleicht etwas zu anspruchsvoll im Vergleich zum Inhalt, den ich hier natürlich nicht verrate. Sehr ansprechend sind die Skateboard-Szenen, die mit einer verrauschten Camcorder-Technik aufgenommen wurden, diese und vielleicht zu häufig eingesetzte Zeitlupe haben eine sehr eigene, aber durchaus ansprechende Ästhetik. Jedenfalls gelingt es dem Regisseur, Gefühle und Stimmungen optisch zu vermitteln. (Bei dieser Gelegenheit muss ich gleich mal auf das Portal:Skateboarding und den Skateboarder-Jargon in der Wikipedia hinweisen, die hoffentlich nicht so bald den „Wikipedia-Löschern“ zum Opfer fallen werden.)

Auch dieser Film hat eine nicht-lineare Erzählstruktur (ich muss wohl nicht wieder erwähnen, dass ich das mag), die sich daraus ergibt, dass der Protagonist mehrfach ansetzt, seine Geschichte zu erzählen. Die Unterschiede zwischen den Versionen sind übrigens sehr interessant und lassen letztlich daran zweifeln, ob die letzte Version auch wirklich die einzig Richtige ist, bzw. ob sie genau so richtig ist, wie sie hier erzählt wurde.

Nach dem Film legte hukl dann noch ein paar Songs von Dave Van Ronk auf, von denen ich einige kannte, ohne Dave Van Ronk zu kennen, der dann aber gleich zu meinen Lieblingssängern aufstieg – zumindest für verregnete Sommerabende, wenn der Blues über einen kommt.

Lord of War

Gestern habe ich den Film Lord of War gesehen, den ich bis dahin irgendwie ignoriert hatte, wohl weil ich den Hauptdarsteller Nicolas Cage nicht sehr mag. Ich finde, er hat kaum Ausstrahlung und spielt auch nicht sehr überzeugend – eher etwas hölzern. Schade, denn der Film ist sehr gut. Die Dialoge sind sehr gut geschrieben, manchmal jagen sich die Pointen so schnell, dass man vor Lachen die nächste Pointe fast überhört. Dabei ist es natürlich keine Komödie, sondern ein sehr informativer Film über den Waffenhandel. Besonders gelungen ist die Bildsprache: Ein schöner Kameraschwenk jagt den nächsten und der Filmschnitt ist sehr gelungen. Insbesondere im ukrainischen Waffendepot gibt es ein paar sehr gelungene Bilder, die Reise einer Patrone am Anfang des Films ist sehr eindrucksvoll und die Darstellung der Hochzeit der Hauptpersonen ist in der Endversion sehr gelungen. Text, Kamera und Schnitt sind geschickt aufeinander abgestimmt, so dass man wirklich erkennen kann, dass zwischen den beteiligten Künstlern zusammengearbeitet wurde und dass der Regisseur Andrew Niccol den Überblick behalten hat. Auch sein früherer Film Gattaca fiel ja schon sehr angenehm auf.

Besser als Cage spielt übrigens (erwartungsgemäß) Ethan Hawke, der allerdings leider im Drehbuch etwas zu kurz kommt. Niccol erwähnt in einem Interview, dass die Ambivalenz des von Hawke verkörperten Ermittlers so interessant fand. Das wird aber nicht wirklich herausgearbeitet.

Der Soundtrack ist auch sehr gelungen, besonders die Gitarrenmusik ist eindrucksvoll. Auf den Walkürenritt hätte ich allerdings verzichtet; aber vielleicht ist das nur für ein europäisches Publikum zu platt. Es sollte vielleicht nur an den Klassiker Apocalyse Now erinnern.

Eigentlich sollte es mehr solche Filme geben, die zugleich sehr unterhaltsam wie aufklärend sind. Es macht dann auch nichts aus, dass der Film zwei Stunden dauert. Die vergehen garantiert im Flug!

Dr. Seltsam

Als ich am Freitag erzählte, dass ich den Kultfilm Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben noch nie gesehen hatte, wurde er sofort hervorgekramt, und es kam zu einem spontanen Videoabend. So konnte ich gleich feststellen, warum dieser Film Kultstatus errungen hat: Einige Szenen (zum Beispiel die am öffentlichen Telefon) sind derart absurd, dass man den Film einfach lieben muss. Wenn Peter Sellers anfängt zu improvisieren, gelingen besonders interessante Szenen, so zum Beispiel die Szene, in der er als US-Präsident mit seinem russischen Kollegen telefoniert. Obwohl man nur seine Worte hört, kann man ziemlich genau erschließen, was auf der anderen Seite gesagt wird. Das ist schon aus gesprächsanalytischer Sicht einfach großartig. Man erkennt sehr deutlich, dass hier improvisiert ist, weil deutlicher mehr Merkmale gesprochener Sprache auftreten als im Drehbuch-Text.

Der Film ist übrigens eine Quelle von Filmzitaten, was mir aber erst klar wurde, als ich jetzt das Original gesehen habe; bisher dachte ich der Film Dark Star sei vor allem eine Parodie des Films 2001: Odyssee im Weltraum (ebenfalls von Stanley Kubrick), aber er enthält mehr Bezüge zu Dr. Seltsam. Es ist sicher ein Film, der sehr hilfreich ist, um das 20. Jahrhundert besser zu verstehen.

Filmmusik

Kürzlich habe ich den Film Sex & the City gesehen, der mir gut gefallen hat. Neben den opulenten Bildern aus New York City hat mir besonders die Filmmusik gefallen. Der Film startet mit dem Jingle der Sex and the City-Serie, der sofort abgebrochen wird und dann in einer modernen Hip Hop-Version fortgesetzt wird. Die alte Musik wird aber im Film fast wie ein Leitmotiv eingesetzt, wenn angezeigt werden soll, dass etwas „wie früher“ ist. So lassen sich ganz unterschwellig Informationen an den Zuschauer vermitteln. Auch sonst vermischt der Komponist Aaron Zigman verschiedene Musikstile, was zu interessanten Effekten führt. Ich habe selten einen Film gesehen, wo die Technik Richard Wagners so effektvoll im Kino mit modernen Mitteln umgesetzt wurde, ohne dass die Musik im Vordergrund stünde.

Indiana Jones & Michael Clayton

Nach den Anstrengungen der letzten Woche (allein 47 Klausuren, deren Korrektur mich viele Stunden und eine Nacht gekostet hat) habe ich mir am Wochenende eine kleine Auszeit genommen und gleich zwei Kinofilme angeschaut: zum einen den neuen Indiana Jones-Film Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels und Michael Clayton. Der Indiana-Jones-Film ist natürlich seichtes Popcorn-Kino und war trotz der haarsträubenden Geschichte durchaus amüsant: besonders witzig waren die Überblendung vom Paramount-Logo auf die allererste Einstellung des Films und die linguistischen Bemerkungen des Helden (zum Beispiel über die verdunkelten Vokale der Ostukraine). Ansonsten kann man sich den Film auch schenken (da ist Indiana Jones und der letzte Kreuzzug schon besser).

Nicht schenken sollte man sich jedoch Michael Clayton. Dass mir der Film besonders gefallen hat, liegt allein schon daran, dass der Film nicht linear erzählt und – was ich besonders mag – ein Teil der Geschichte zweimal erzählt wird, und zwar beim zweiten Mal mit einer dazwischen geschnittenen Parallelhandlung, die Ereignisse der Haupthandlung erklärt. Zudem ist die schauspielerische Leistung von George Clooney und in einer heimlichen Hauptrolle Tilda Swinton eindrucksvoll. Letztere bekam dafür zurecht einen Oscar als beste Nebendarstellerin.

Da ich den ersten der beiden Filme im Berliner Cubix gesehen habe, gleich noch ein paar Worte zum Kino: Ich mag ja Multiplex-Kinos nicht so, aber der Ausblick aus dem obersten Stock des Cubix ist atemberaubend (insbesondere wenn man in der verglasten Ecke steht!) und die Beschallung im großen Saal 9 (ganz oben) ist nicht von schlechten Eltern. Warum man allerdings am Eingang unaufgefordert eine Packung Kondome erhält, selbst wenn man auf einem gut einsehbaren Platz am Mittelgang sitzt, entzieht sich meinem Verständnis.

Interpreter, Persepolis, Kiss Kiss Bang Bang

Da gerade Berlinale ist, gibt es heute mal geballt Kino, aber keine Angst, ich werde auch wieder andere Themen behandeln; das soll hier kein Kino-Blog werden. Am letzten Berlinale-Tag wollte ich eigentlich Caos Calmo in der Urania sehen, aber der Film mit Nanni Moretti war leider ausverkauft. Also musste ich mir etwas anderes überlegen. Zunächst entdeckte ich eine Kneipe, die ich bisher nur von außen kannte, nämlich die Böse Buben Bar in Berlin-Mitte. Dort gibt es selbstgebrautes Bier, das zwar etwas teuer, aber durchaus wohlschmeckend ist (zumindest das dunkle), auch sonst ist die Kneipe sehr gemütlich und angenehm untouristisch für die zentrale Lage.

Später gab es dann den Film The Interpreter, den ich schon länger mal sehen wollte, weil dort eine erfundene afrikanische Sprache namens Ku verwendet wird, was ich sehr interessant fand. Es ist eine typischer Vertreter der Bantusprachen. Das war aber auch schon der interessanteste Aspekt des Films, der mir sonst nicht sonderlich gefallen hat. Ich kann nicht sagen, ob es am Drehbuch, an der Regie oder an der ansonsten guten schauspielerischen Leistung von Nicole Kidman gelegen hat, aber irgendwie war der Charakter der Hauptfigur niemals undurchschaubar. Zudem hätte die Geschichte nicht so linear erzählt werden dürfen.

Da hatte mir das Filmprogramm der Vorwoche besser gefallen, über das ich noch gar nicht berichtet habe. Ich hole das hier bei der Gelegenheit gleich mal nach: Sehr gut gefallen hat mir Persepolis, ein Zeichentrickfilm, der auf dem gleichnamigen Comic basiert. Die Erzählung hat bei aller Tragik immer Witz und die Möglichkeiten des Zeichentricks werden sehr effektvoll genutzt – sehr sehenswert! Für den gleichen Abend hatte ich noch Kiss Kiss, Bang Bang ausgewählt, einen neueren Film Noir, der in Hollywood spielt. Er scheint zunächst etwas konventionell zu sein, entfaltet dann aber eine außergewöhnliche Erzählform, die am Ende auch vor der Metaebene nicht zurückschreckt. Großes Kino!

58. Berlinale

Einer meiner Lieblingspodcasts hr2 Der Tag berichtete unter dem Titel: „Brutalstmögliche Aufklärung“ darüber, dass bei der diesjährigen Berlinale die Sparte Dokumentarfilm eine besondere Rolle spielt. Daher wundert es nicht, dass auch ich in einen Dokumentarfilm geriet, zumal ich ja die Berlinale immer nur in Auswahl besuche – möglichst wenn sich andere um die Karten kümmern, denn mir ist der Trubel immer zu anstrengend.

Ich war also gestern Abend in der Premiere von East/West – Sex & Politics, einem Dokumentarfilm von Jochen Hick (im Gespräch bei dradio) über die Moskauer Schwulenszene und den Московский Гей-Прайд, die verbotene Demonstration in Moskau.

Der Film war vielleicht nicht so beeindruckend wie Jochen Hicks Ich kenn keinen – Allein unter Heteros, aber doch sehr interessant, weil er außergewöhnliche Eindrücke in aktuelle russische und Moskauer Befindlichkeiten ermöglichte, obwohl man die Angriffe auf Volker Beck nun schon oft genug gesehen hatte (sogar ich, der ich gar keinen Fernseher besitze). Berichtet wurde unter anderem über das Treffen der Bürgermeister europäischer Hauptstädte, auf dem der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë den Moskauer Bürgermeister öffentlich auf die Verbote angesprochen, Klaus Wowereit jedoch geschwiegen habe, 🙁 wie Jochen Hick im Anschluss an den Film berichtete. Das Schöne an der Berlinale ist ja, dass man gleich mit den Filmemachern sprechen kann. Im Film wird viel russisch gesprochen, was aber dank der Untertitel gar nicht so schwer zu verstehen ist (trotz meiner eingerosteten Kenntnisse).